Wenn es nicht zusammenpasst …

Hey! :)

Ich erinnere wie gestern an den klimatisierten Konferenzraum in Berlin, auf dem ich vor einigen Jahren nervös auf meinem Stuhl hin und her rutschte. Nach einer zehnstündigen Odyssee auf der Autobahn und mehrfachem Verschieben des Termins, sollte mein Vorstellungsgespräch doch noch stattfinden.

Es ging um eine Design Research Stelle, in der ich Daten analysieren, Menschen befragen und daraus Designkonzepte ableiten wollte. Laut Ausschreibung suchte mein potenzieller Arbeitgeber, ein bekannter Anbieter von Internetdiensten, genau das.

Als ich dann im Gespräch aber mein Portfolio vorstellte, wurde immer deutlicher, dass etwas anderes gefordert war. Denn statt über qualitative Forschungsmethoden zu diskutieren, wurde ich gefragt, ob ich auch Icons gestalten könnte und mich mit Grafiksoftware auskenne.

Obwohl wir spüren, dass wir nicht zueinander passen, machen wir weiter und versuchen, den anderen zu überzeugen.

Trotz offensichtlich unterschiedlicher Erwartungen verbrachte ich zwei Stunden im Gespräch, beantwortete jede noch so abstruse Frage und versuchte immer wieder, den Fokus meiner Arbeit und den Wert meiner Erfahrungen herauszustellen. Am Ende sagte ich sogar ein potenzielles Probearbeiten zu.

Wenn’s nicht zusammenpasst … Foto

Vielleicht kennst du solche Situationen von der Zusammenarbeit mit deinen Kunden: Obwohl wir spüren, dass wir nicht zueinander passen, machen wir weiter und versuchen, den anderen zu überzeugen, den Job zu bekommen oder das Projekt durchzuführen.

Warum übergehen wir dabei unsere Intuition und lassen uns auf Projekte ein, die wir später womöglich bereuen?

1) Es fehlt an Bewusstsein

Ich kenne das gut vom Start in neue kreative Projekte: Da entsteht ein Raum voller Möglichkeiten. Die Begeisterung, diesen zu füllen, reißt uns mit und verschleiert all die Dinge, die vielleicht nicht ganz so stimmig sind. Wir lehnen uns dann weit aus dem Fenster, um einen potenziellen Kunden zu überzeugen und das neue Projekt einzutüten. Dahinter steckt meistens der unbewusste Wunsch danach, Anerkennung für unsere Arbeit zu erfahren.

Was auf der Strecke bleibt, sind unsere eigenen Bedürfnisse, die längerfristigen Ziele für unsere Selbstständigkeit und unsere Wünsche an kreativen Spielraum, Konditionen oder Miteinander.

Der Rausch der Möglichkeiten reißt uns mit und verschleiert all die Dinge, die nicht ganz so stimmig sind.

Das erlebe ich oft bei Coachees mit. Die wissen eigentlich genau, wie, woran und mit wem sie arbeiten wollen, finden sich aber trotzdem ständig in Projekten wieder, in denen sich genau das nicht erfüllt. Der Grund dafür ist fehlendes Bewusstsein über die eigenen Bedürfnisse schon ganz zu Beginn einer Zusammenarbeit.

2) Es fehlt an Vertrauen

Nicht immer passiert das aufgrund der brennenden Begeisterung für die Möglichkeiten eines neuen Projekts. Manchmal ist es es auch ein Gefühl des Mangels, das uns dazu treibt, zu nehmen, was wir kriegen, statt zu gestalten, was wir wollen.

Zu meinem Gespräch in Berlin kam ich nach einer langen Durststrecke, in der ich viele Bewerbungen geschrieben und oft nicht mal eine Rückmeldung erhalten hatte. Der Job erschien mir wie eine große Chance, die sich jetzt bietet und die ich nutzen muss.

Manchmal ist es ein Gefühl des Mangels, das uns dazu treibt, zu nehmen, was wir kriegen, statt zu gestalten, was wir wollen.

Wenn wir in diesem Modus agieren, klopft das urmenschliche Verlangen nach Sicherheit ganz laut an: Was, wenn kein anderer Kunde diesen Monat anfragt? Was, wenn dieses Projekt das Beste ist, was sich mir gerade bietet? Schließlich ist Zusammenarbeit immer auch Kompromiss und Konsensfindung, oder? ;)

In solchen Momenten fehlt es uns an Vertrauen, dass wir nicht nur das nehmen müssen, was sich uns bietet, sondern dass wir selbst für Chancen sorgen können, die uns gut tun. Zum Beispiel durch Profilschärfung, weitere Bewerbungen oder aktive Projektakquise.

3) Es fehlt an Souveränität

Obwohl mir schon während des Vorstellungsgesprächs dämmerte, dass hier völlig verschiedene Vorstellungen aufeinanderprallen, bin bis zum Ende geblieben, statt die Zeit dafür zu nutzen, einen Job zu finden, der wirklich zu mir passt.

Warum hab ich nicht einfach den Absprung gewagt? Die Frage möchte ich mal an dich geben: Warum bleibst du bei langwierigen Projekten dran? Warum setzt du die Zusammenarbeit mit schwierigen Kunden fort?

Warum bleibst du bei langwierigen Projekten dran? Warum setzt du die Zusammenarbeit mit schwierigen Kunden fort?

Vielleicht gibt es einen überzeugenden Grund dafür: Weil du an das Ziel des Projekts glaubst oder weil du deinem Kunden helfen kannst. Vielleicht sind es aber auch eher Ausreden wie die Angst vor Umsatz- oder Gesichtsverlust, die dich davon abhalten für dich einzustehen.

Die Souveränität, ein Bewerbungsgespräch vorzeitig zu beenden oder ein neues Projekt abzulehnen, entwickelst du dann, wenn du weißt, warum du etwas tust. Das Bewusstsein darüber wird dir neues Vertrauen geben und dich stärken, für deine Bedürfnisse in der Zusammenarbeit mit Kunden einzustehen.

Wenn du das übst, wirst du dich immer weniger in Situationen wiederfinden, wie ich damals in Berlin. Und stattdessen die Arbeit machen, die dir wirklich am Herzen liegt. So wie ich heute.

Dafür wünsche ich dir viel Erfolg!

Herzliche Grüße,

Patrik

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