Was ist wichtig, wenn alles wichtig ist? 5 Fragen für mehr Klarheit

Was ist wichtig, was steht zuerst an? In den letzten zwei Jahren habe ich eigenen Leib erfahren, dass ein selbstbestimmtes Leben als Unternehmer vor allem eines braucht: die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. In dieser Podcast-Folge gebe ich dir fünf Reflexionsfragen an die Hand, mit denen du herausfindest, was für dich wirklich zählt.

Was ist wichtig, wenn alles wichtig ist? 5 Fragen für mehr Klarheit

Zwischen neuer Freiheit und selbst geschaffenem Hamsterrad

Wie sehr genießt du deine Freiheit als Solopreneur, als Einzelunternehmerin, als Freiberufler? Selbst zu entscheiden, woran du arbeitest, mit wem du arbeitest, wann und wo du arbeitest … Und wie sehr läufst du Gefahr, zu viel zu malochen, unwirtschaftlich unterwegs zu sein?

Als ich vor anderthalb Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht hab, war meine Burn-out-Erfahrung noch deutlich zu spüren. Ich hatte große Hoffnungen ans Unternehmerleben, vor allem was Selbstbestimmung und Freiheit anging. Wiedergefunden hab ich allerdings schnell in neuen Zwängen. Unter einem hohen Leistungsdruck wusste ich bald nicht mehr: Was ist wichtig? Willkommen zurück im Hamsterrad – diesmal im selbstgeschaffenen.

Das Schönste an der Selbstständigkeit ist gleichzeitig die größte Herausforderung.

Das Schönste an der Selbstständigkeit ist gleichzeitig die größte Herausforderung: Es gibt keine festen Strukturen, keine definierten Arbeitszeiten, keine absteckte Rolle, die du übernimmst. Und dadurch ist es sehr leicht, nicht mehr selbstständig, sondern selbst und ständig zu arbeiten.

Meine Coaching-Kunden wollen fast alle weniger arbeiten. Nicht in dem Sinne, dass sie weniger von dem tun möchten, was sie lieben – schließlich bringen sie alle ihre Herzensthemen in die Welt. Sie wollen weniger Dinge tun, die nervig, stressig und nicht zielführend sind. Sie wollen ihre Zeit klug einsetzen. Und vor allem wollen sie sich nicht mehr verzetteln, sondern immer wissen, was gerade wichtig ist.

Das Priorisieren ist heute so schwierig wie nie

Warum fällt uns das so schwer? Ich glaube, dass die Informationsflut, der wir täglich ausgesetzt sind, ein wesentlicher Grund ist. Sie macht es sehr einfach, sich von den Dingen abzulenken, die wirklich anstehen. Bei mir war es so: Statt endlich den Interessenten zurückzurufen, hab ich stundenlang auf Facebook prokrastiniert. Eine Kundin von mir musste unbedingt erst noch die fünfte Fortbildung machen, bevor sie ihren Workshop anbieten wollte. Klar, daran hängen auch Ängste: vor Zurückweisung; davor, nicht gut genug zu sein. Und dann sind da noch unsere Mitbewerber. Ständig haben wir sie vor der Nase und sehen, was die so machen …

Das alles macht es nicht leichter zu entscheiden: Was ist wichtig?

  • Einen neuen Workshop konzipieren oder den alten erneut veranstalten?
  • Den potenziellen Kunden anrufen oder eine Kooperation unter Dach und Fach bringen?
  • Ein Video aufzunehmen oder diese Podcast-Folge zu texten?

Bei all den Entscheidungen, die wir täglich treffen müssen, vergessen wir zudem gerne, uns Zeit für uns selbst zu nehmen. Kraft zu tanken und unseren Fokus wiederzuerlangen. Damit du besser entscheiden kannst, was wirklich für dich zählt und welche Aufgaben, Termine und Ziele du priorisieren solltest, habe ich dir fünf Reflexionsfragen mitgebracht.

#1 Kann wirklich alles wichtig sein?

Die erste Frage ist eine rhetorische. ;) Kann wirklich alles wichtig sein? Was bedeutet „wichtig“ noch, wenn alles wichtig ist? Die Antwort, die ich darauf für mich gefunden habe, lautet: Wenn alles wichtig ist, ist nichts mehr wichtig. Der Begriff verliert an Bedeutung und Wertigkeit, wenn ich ihn an alles dranhefte. Schließich sollte er mich dabei unterstützen, Dinge zu priorisieren. Und das geht nicht, wenn alles wichtig ist.

Wenn alles wichtig ist, ist nichts mehr wichtig.

Wenn du jetzt auf deine Aufgabenliste schaust und die Hände über dem Kopf zusammenschlägst, weil du gar nicht weißt, wie du das alles bewältigen sollst, dann stell dir die Frage: Kann das, was du siehst, wirklich alles wichtig sein?

#2 Was ist dringend, was ist wichtig?

Hilfreich ist es auch, zwischen wichtigen und dringenden Dingen zu unterscheiden. Hast du schon vom Eisenhower-Prinzip gehört? Bei dieser Methode legst du an alle Aufgaben, Termine und Erledigungen vier Fragen an:

  • Was wichtig und dringend? Diese Dinge solltest du sofort erledigen, weil sie dich in dem, was du erreichen willst, voranbringen.
  • Was ist wichtig, aber nicht dringend? Diese Dinge solltest du erstmal verschieben und dich später darum kümmern. So befreist du dich von der Last, die dich gerade erdrückt.
  • Was nicht wichtig, aber dringend? Diese Dinge solltest du an andere abgeben, damit sie nicht deine begrenzte Unternehmer-Energie anzapfen.
  • Was ist nicht wichtig und nicht dringend? Diese Dinge solltest du archivieren oder (ganz mutig) einfach vergessen. Kannst du auch, schließlich haben sie keine Relevanz und werden auch nie dringend. ;)

Zum Priorisieren von Aufgaben finde ich das Eisenhower-Prinzip klasse, weil es ganz einfach anzuwenden ist. Vorsicht ist allerdings bei der letzten Kategorie („nicht wichtig und nicht dringend“) geboten: Es kann nämlich passieren, dass dort Aufgaben landen, die eigentlich wichtig und/oder dringend wären, vor denen du Dich aber drückst. :o

Wenn Du merkst, dass Du bestimmte Erledigungen von Woche zu Woche verschiebst, schau sie dir mal genau an und sei ehrlich mit dir, warum du sie nie erledigst. Im Coaching begleite ich meine Kunden dabei, sich mit eventuell vorhandenen Ängsten auseinanderzusetzen und sich anzuschauen, was das bei ihnen auslöst. Denn das gehört zum persönlichen und unternehmerischen Wachstum unbedingt dazu.

#3 Wofür ist das wichtig?

Weißt du, für welches Ziel du die Aufgaben erledigst, die auf deiner täglichen oder wöchentlichen To-Do-Liste stehen? Vielleicht sagst du jetzt: „Ich will das alles machen, um Umsatz XY zu erreichen“. Klar ist das ein legitimes Ziel. ;)

Welche Veränderung willst du in der Welt bewirken?

Unternehmerische Ziele müssen allerdings nicht zwangsläufig wirtschaftliche Ziele sein. Alternativ kannst du dir überlegen, welche Veränderung du in der Welt bewirken willst oder wie Du selbst leben und arbeiten möchtest. Frag dich mal: Wofür ist das wichtig, was da wichtig ist?

#4 Was ist für mich wertvoll?

Für die nächste Frage bewegen wir uns vom operativen auf ein mehr strategisches Level. Überleg dir mal, was für dich „wertvoll“ ist. Im Coaching arbeite ich sehr gerne mit Werten, weil sie eine starke entscheidungsleitende Kraft haben. Das bedeutet, wenn du dir über deine Werten im Klaren bist, ist es viel einfacher zu entscheiden, was wirklich wichtig ist.

Deine Werte zu kennen, hilft dir dabei, zu wissen, was wichtig ist.

Kennst du deine Werte schon? Falls nicht oder wenn es schon länger her ist, dass du dich damit auseinandergesetzt hast, lade dir hier meine Werteübung (PDF) herunter. Mit der Übung kannst du herausfinden, welche Werte dir wichtig sind, und ergründen, warum sie dir wichtig sind.

Die Werteübung wende ich selbst regelmäßig an, weil sich Werte im Laufe der eigenen Entwicklung verändern. Ich find’s einfach schön, mich immer wieder damit zu verbinden, was mir im Leben wichtig ist.

Wenn du deine Werte kennengelernt hast, kannst du sie bis ins operative Level deiner Aufgabenliste anwenden, in dem du abgleichst:

  • Welche meiner Aufgaben sind für mich wertvoll?
  • Welche Aufgaben spiegeln meine Werte?
  • Mit welchen Aufgaben stärke ich, was mir wichtig ist?
  • Wo widersprechen Aufgaben meinen Werten?

#5 Was ist wichtig für mein Wohlbefinden?

Fragst du dich jetzt immer noch: Was ist wichtig? Dann schau mal aus einer Perspektive auf dein Business oder dein Leben, die wir viel zu oft vernachlässigen. Frag dich einfach: Was ist wichtig für mein Wohlbefinden?

Bei meinen Kunden erlebe ich das ständig: Zeit für sich selbst investieren, kurze Pausen nehmen, abends richtig abschalten, … das sind Dinge, die im Alltag von Selbstständigen immer wieder hinten runter fallen. Vergessen wird dann gerne, dass wir gerade als Einzelkämpfer die wichtigste Ressource in unseren Unternehmen sind.

Dein eigenes Wohlbefinden wichtig zu nehmen, bedeutet für dich als Selbstständiger auch, die wichtigste Ressource in deinem kleinen Unternehmen zu pflegen.

Dein eigenes Wohlbefinden wichtig zu nehmen, ist für dich als Selbstständiger kein rein privates Thema oder „nice to have“, sondern es bedeutet immer auch, die wichtigste Ressource in deinem kleinen Unternehmen zu pflegen und dein Business dadurch zu stärken.

Vielleicht fühlst du dich jetzt ertappt? ;) Die gute Nachricht ist, dass du ganz klein anfangen kannst, dir mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür sind weder ein ausgedehnter Urlaub noch stundenlanges Meditieren nötig, sondern nur wenige Minuten Zeit und Aufmerksamkeit für die Fragen, die ich dir in diesem Artikel vorgestellt habe. 

Was ist wichtig, wenn alles wichtig ist? 5 Fragen für mehr Klarheit

Was ist wichtig, wenn alles wichtig ist? Um das herauszufinden, habe ich dir folgende fünf Reflexionsfragen mitgegeben:

  1. Kann wirklich alles wichtig sein? Was bedeutet das dann noch?
  2. Was ist dringend, was ist wichtig? Und wie unterscheide ich das?
  3. Wofür ist das wichtig? Auf welches Ziel zahlen meine Aufgaben ein?
  4. Was ist für mich wertvoll? Entspricht meine Arbeit meinen Werten?
  5. Was ist wichtig für mein Wohlbefinden? Und wie wichtig nehme ich mich?

Nimm dir einen ruhigen Moment, bereite dir eine Tasse Tee zu und beantworte diese Fragen mal für dich – nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit deinem Herz. Und wenn du magst, teile deine Gedanken dazu gerne mit uns:

Wie findest du heraus, was für dich gerade wirklich wichtig ist?

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