Was ist wichtig, wenn alles wichtig ist? 5 Fragen für mehr Klarheit

Was ist wichtig, was steht zuerst an? In den letzten Jahren habe ich am eigenen Leib erfahren, dass ein selbstbestimmtes Leben als Unternehmer vor allem eines braucht: die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. In diesem Artikel gebe ich dir fünf Reflexionsfragen an die Hand, mit denen du herausfindest, was für dich wirklich zählt.

Was ist wichtig, wenn alles wichtig ist? 5 Fragen für mehr Klarheit

Zwischen neuer Freiheit und selbst geschaffenem Hamsterrad

Wie sehr genießt du deine Freiheit als Freiberufler, Selbstständiger oder Solopreneur? Selbst zu entscheiden, woran du arbeitest, mit wem du arbeitest, wann und wo du arbeitest … Und wie sehr läufst du Gefahr, zu viel zu malochen und damit letztlich unwirtschaftlich unterwegs zu sein?

Als ich damals den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht hab, war die Burn-out-Erfahrung aus meiner Angestelltenzeit noch deutlich zu spüren. Ich hatte große Hoffnungen ans Unternehmerleben, vor allem was Selbstbestimmung und Freiheit anging. Wiedergefunden hab ich mich allerdings schnell in neuen Zwängen. Unter einem hohen Leistungsdruck wusste ich bald nicht mehr: Was ist wichtig? Willkommen zurück im Hamsterrad – diesmal im selbstgeschaffenen.

Das Schönste an der Selbstständigkeit ist zugleich die größte Herausforderung: Freiheit.

Das Schönste an der Selbstständigkeit ist zugleich die größte Herausforderung: Es gibt keine festen Strukturen, keine definierten Arbeitszeiten, keine absteckte Rolle, die du übernimmst. Und dadurch ist es sehr leicht, nicht mehr selbstständig, sondern selbst und ständig zu arbeiten.

Fast alle meine Coaching-Kunden wollen weniger arbeiten. Nicht etwa, weil sie weniger von dem tun möchten, was sie lieben – schließlich arbeiten sie gerne und mit Leidenschaft. Sie wollen weniger Dinge tun, die nervig, stressig und nicht zielführend sind. Sie wollen ihre Zeit klug einsetzen. Und vor allem wollen sie sich nicht mehr verzetteln, sondern immer wissen, was gerade wichtig ist.

Das Priorisieren ist heute so schwierig wie nie

Warum fällt uns das so schwer? Ich glaube, dass die Informationsflut, der wir täglich ausgesetzt sind, ein wesentlicher Grund ist. Sie macht es sehr einfach, sich von den Dingen abzulenken, die wirklich anstehen. Bei mir war es so: Statt endlich den Interessenten zurückzurufen, hab ich stundenlang auf Facebook prokrastiniert. Ein Coachee von mir musste erst noch die fünfte Fortbildung machen, bevor sie ihren Workshop anbieten konnte.

Klar, daran hängen auch Ängste: vor Zurückweisung; davor, nicht gut genug zu sein. Und dann sind da noch unsere Mitbewerber. Ständig haben wir sie vor der Nase und sehen, was die so machen. Dann verlieren wir uns gerne in Detailfragen – was ist wichtiger:

  • Den potenziellen Kunden anrufen oder eine Kooperation unter Dach und Fach bringen?
  • Einen neuen Workshop konzipieren oder den alten erneut veranstalten?
  • Ein Video aufnehmen oder diesen Artikel schreiben?

Bei all den Entscheidungen, die wir täglich treffen müssen, vergessen wir zudem gerne, uns Zeit für uns selbst zu nehmen. Kraft zu tanken und unseren Fokus wiederzuerlangen. Damit du besser entscheiden kannst, was wirklich für dich zählt und welche Aufgaben, Termine und Ziele du priorisieren solltest, habe ich dir heute fünf Reflexionsfragen mitgebracht.

#1 Kann wirklich alles wichtig sein?

Die erste Frage ist eine rhetorische. ;) Kann wirklich alles wichtig sein? Was bedeutet „wichtig“ noch, wenn alles wichtig ist? Die Antwort, die ich darauf für mich gefunden habe, lautet: Wenn alles wichtig ist, ist nichts mehr wichtig. Der Begriff verliert an Bedeutung und Wertigkeit, wenn ich ihn an alles dranhefte. Schließlich sollte er mich dabei unterstützen, Dinge zu priorisieren. Und das geht nicht, wenn alles wichtig ist.

Wenn alles wichtig ist, ist nichts mehr wichtig.

Wenn du auf deine Aufgabenliste schaust und die Hände über dem Kopf zusammenschlägst, weil du gar nicht weißt, wie du das alles bewältigen sollst, dann stell dir die Frage: Kann das, was du siehst, wirklich alles wichtig sein?

#2 Was ist dringend, was ist wichtig?

Für den Start in die Entscheidungsfreude kann es auch sein, zwischen wichtigen und dringenden Dingen zu unterscheiden. Nach der sogenannten Eisenhower-Methode legst du an alle Aufgaben, Termine und Erledigungen vier Fragen an:

  • Was wichtig und dringend? Diese Dinge solltest du sofort erledigen, weil sie dich in dem, was du erreichen willst, voranbringen.
  • Was ist wichtig, aber nicht dringend? Diese Dinge solltest du erstmal verschieben und dich später darum kümmern. So befreist du dich von der Last, die dich gerade erdrückt.
  • Was nicht wichtig, aber dringend? Diese Dinge solltest du an andere abgeben, damit sie nicht deine begrenzte Unternehmer-Energie anzapfen.
  • Was ist nicht wichtig und nicht dringend? Diese Dinge solltest du archivieren oder (ganz mutig) einfach vergessen. Kannst du auch, schließlich haben sie keine Relevanz und werden auch nie dringend. ;)

Vorsicht ist allerdings bei der letzten Kategorie („nicht wichtig und nicht dringend“) geboten: Es kann nämlich passieren, dass dort Aufgaben landen, die eigentlich wichtig und/oder dringend wären, vor denen du Dich aber drückst. :o

Wenn du merkst, dass du bestimmte Erledigungen von Woche zu Woche verschiebst, schau sie dir mal genau an und sei ehrlich mit dir, warum du sie nie erledigst. Im Coaching begleite ich meine Kunden dabei, sich mit eventuell vorhandenen Ängsten auseinanderzusetzen und sich anzuschauen, was das bei ihnen auslöst. Denn das gehört zum persönlichen und unternehmerischen Wachstum unbedingt dazu.

#3 Wozu dient das?

Weißt du, für auf welches Ziel die Aufgabe einzahlt, die du gerade erledigst? Wie sieht es mit all den Punkten auf deiner heutigen To-Do-Liste aus? Mit der Frage danach, wozu eine Sache dient, kannst du sie zurückbinden an die übergeordneten Ziele, die du für deine Selbstständigkeit hast.

Solche Ziele können zum Beispiel sein:

  • Mit meiner Arbeit die Welt ein bisschen schöner, nützlicher, besser machen.
  • Meine kreativen Talente nutzen und meine Fähigkeiten weiter entwickeln.
  • Einen bestimmten Umsatz generieren; denn es muss nicht immer Altruismus oder Selbstverwirklichung sein – alles sind legitime Ziele.

Klar, nicht jede Kleinigkeit, die du am Tag erledigst, trägt unmittelbar zur Verwirklichung der größeren Vision bei. Aber jeder Schritt zählt – auch wenn er letztlich „nur“ neue Erfahrungen und Erkenntnisse produziert (eigentlich das Wichtigste!)

Und auch indirekt können Aufgaben und Tätigkeiten zu einem übergeordneten Ziel beitragen, beispielsweise Entspannung, Freunde, gutes Essen: weil sie dich ausgleichen und fit halten.

#4 Was ist für mich wertvoll?

So langsam bewegen wir uns vom operativen auf ein mehr strategisches Level. Wenn du einen Schritt weitergehen möchtest, kannst du deine Werte mit ins Boot holen. Im Coaching arbeite ich sehr gerne mit Werten, weil sie eine starke entscheidungsleitende Kraft haben. Das bedeutet, wenn du dir über deine Werte im Klaren bist, ist es viel einfacher zu entscheiden, was wirklich wichtig ist.

Deine Werte zu kennen, hilft dir dabei, zu wissen, was wichtig ist.

Kennst du deine Werte schon? Falls nicht oder wenn es schon länger her ist, mach mal eine Bestandsaufnahme. Hilfreich finde ich, sich dazu eine Liste von gängigen Werten anzuschauen und drei Punkte auszuwählen, die besonders wichtig erscheinen. Schreib auch kurz auf, warum dir der Wert so wichtig ist.

In meiner Selbst-Coaching-Praxis mache ich regelmäßig eine solche Bestandsaufnahme. Schließlich bleiben unsere Werte nicht immer gleich, sondern entwickeln sich mit uns. Mir tut das immer gut, mich immer wieder damit zu verbinden, was mir im Leben wichtig ist.

Hast du deine Werte kennengelernt, kannst du sie bis ins operative Level deiner Aufgabenliste anwenden, in dem du abgleichst:

  • Welche meiner Aufgaben sind für mich wertvoll?
  • Welche Aufgaben spiegeln meine Werte?
  • Mit welchen Aufgaben stärke ich, was mir wichtig ist?
  • Wo widersprechen Aufgaben meinen Werten?

#5 Was ist wichtig für mein Wohlbefinden?

Fragst du dich jetzt immer noch: Was ist wichtig? Dann schau mal aus einer Perspektive auf dein Business und Leben, die wir viel zu oft vernachlässigen: Was ist wichtig für dein Wohlbefinden?

Bei meinen Kunden erlebe ich das ständig: Zeit für sich selbst investieren, kurze Pausen nehmen, abends richtig abschalten, … das sind Dinge, die im kreativen Selbstständigen-Alltag immer wieder hinten runter fallen. Dein eigenes Wohlbefinden wichtig zu nehmen, ist für dich als Selbstständiger kein rein privates Thema oder „nice to have“, sondern es bedeutet immer auch, die wichtigste Ressource in deinem kleinen Unternehmen zu pflegen und dein Business dadurch zu stärken.

Dein eigenes Wohlbefinden wichtig zu nehmen, bedeutet für dich als Selbstständiger auch, die wichtigste Ressource in deinem Unternehmen zu pflegen.

Die gute Nachricht ist, dass du ganz klein anfangen kannst, dir mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür sind weder ein ausgedehnter Urlaub noch stundenlanges Meditieren nötig, sondern nur wenige Minuten Zeit und Aufmerksamkeit, in denen du dich mit den Fragen beschäftigst, die ich dir in diesem Artikel an die Hand gegeben habe. 

Was ist wichtig, wenn alles wichtig ist? 5 Fragen für mehr Klarheit

Und hier sind sie nochmal für dich zusammengefasst: Was ist wichtig, wenn alles wichtig ist? Fünf Reflexionsfragen:

  1. Kann wirklich alles wichtig sein? Was bedeutet das dann noch?
  2. Was ist dringend, was ist wichtig? Und wie unterscheide ich das?
  3. Wofür ist das eigentlich wichtig? Auf welches Ziel zahlen meine Aufgaben ein?
  4. Was ist für mich wertvoll? Entspricht meine Arbeit meinen Werten?
  5. Was ist wichtig für mein Wohlbefinden? Und wie wichtig nehme ich mich?

Nimm dir einen ruhigen Moment und beantworte diese Fragen für dich – nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit deinem Herz. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, sag Bescheid. Viel Freude und spannende Erkenntnisse!

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