Schwierige Kollegen und ihre Vorzüge

„Meine Kollegin könnte das dringend mal gebrauchen!“ Wenn ich auf einer Konferenz oder auf einer Party erzähle, dass ich Menschen dabei unterstütze, besser zusammenzuarbeiten, höre ich oft solche Sätze. Arbeitsbeziehungen werden aber nicht dadurch verbessert, dass man vermeintlich schwierige Kollegen in ein Seminar oder Coaching steckt.

Vielmehr sollten wir hinschauen, woher unkollegiale Arbeitsweisen kommen und wie wir sie gemeinsam als Team überwinden können. Darum geht es in diesem Artikel. Wir schauen uns an,

  • welche positiven Eigenschaften vermeintliche schwierige Kollegen mitbringen,
  • aus welcher Motivation heraus sie handeln und
  • welche Defizite im Team unkollegiales Verhalten fördern.
Schwierige Kollegen und ihre Vorzüge

Schwierige Kollegen und ihre Vorzüge

Eigentlich könnte ja jeder so sein wie er will: pragmatisch oder detailverliebt, zurückhaltend oder unnachgiebig… Doch im Arbeitsleben ist niemand eine Insel, sondern jeder wird als Teil eines Ganzen produktiv. Konkret heißt das: Wir diskutieren miteinander in Meetings, teilen komplexe Projekte auf mehrere Kollegen auf und erleben gemeinsam auch private Momente, sei es am Kaffeeautomaten oder beim Betriebsausflug.

Hinter jedem negativen Charakterzug verbirgt sich eine positive Eigenschaft, die für die gemeinsame Arbeit hilfreich sein kann.

Und damit Zusammenarbeit klappt, erwarten wir die Einhaltung bestimmter sozialer Normen: respektvoller Umgang miteinander, Offenheit für die Belange des anderen, gegenseitige Hilfestellung und so weiter. Zeigt jemand hingegen Trotz und Ablehnung, äußert übermäßig Kritik oder reagiert unwirsch, führt das zu Unverständnis und erschwert die Zusammenarbeit. Hinter jedem vermeintlich negativen Charakterzug verbirgt sich in der Regel aber auch eine positive Eigenschaft, die für die gemeinsame Arbeit hilfreich sein kann:

  • Übermäßige Kritik weist auf Detailgenauigkeit hin
  • Unnachgiebigkeit steht für Beharrlichkeit
  • Abgrenzung zeigt Achtsamkeit an

Um ein produktives Miteinander zu sichern, ist es wichtig, sich diese positiven Aspekte ins Gedächtnis zu rufen.

Schwierige Kollegen und ihre Geschichte

„Mach’ Deinen Mist doch selber!“ Wenn Deine Kollegin so gereizt auf eine Anfrage reagiert, geschieht das vor allem aus einem Grund: Selbstschutz. Wir alle erleben über die Jahre auch mal schwierige Situationen im Job, die sich in unser Gedächtnis einbrennen. Diese Erfahrungen bestimmen wesentlich mit, wie wir heute handeln. Wer beispielsweise einmal überlastet war, wird zukünftig versuchen, sich besser abzugrenzen. Das ist ganz normal.

Vermeintlich schwierige Verhaltensweisen sind ein wichtiges Ventil, um Erlebnisse aus der Vergangenheit zu bewältigen und sich besser abzugrenzen.

Schwierige Typen im Büro handeln also selten mit böser Absicht. Vielmehr hat ihre individuelle Geschichte im Unternehmen, mit einem früheren Arbeitgeber oder gar aus dem Privatleben sie vorsichtig, zurückhaltend, aufbrausend oder ablehnend gemacht. Für die betreffenden Personen sind diese Eigenschaften und Verhaltensweisen ein wichtiges Ventil, um Erlebnisse aus der Vergangenheit zu bewältigen und sich in der Gegenwart besser abzugrenzen.

Übrigens: Sogar frühe Prägungen aus der Kindheit bestimmen mit, wie wir heute reagieren. Vorgesetzte oder KollegInnen stehen manchmal stellvertretend für Personen aus der Vergangenheit und lösen alte Muster aus.

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Schwierige Kollegen und ihr Umfeld

Negative Arbeitserlebnisse, die sich zu Frust verdichten und in einem unproduktiven Verhalten münden, kommen jedoch nicht nur von individuellen Erlebnissen. Sondern sie sind oft die direkte Folge von Defiziten in den Arbeitsbedingungen oder in der Teamstruktur.

Wenn beispielsweise Arbeitslast und vorhandene Ressourcen nicht zusammenpassen, etabliert sich Frust, dem entsprechend harsche Verhaltensweisen – beispielsweise die Verweigerung, neue Arbeitsaufträge anzunehmen – folgen. Arbeitsbedingungen wie diese sind vom einzelnen Mitarbeiter nur schwer zu beeinflussen. Daher sucht der Einzelne Möglichkeiten, sich selbst abzugrenzen.

Defizite im Miteinander des Teams verstärken unproduktive und unkollegiale Verhaltensweisen. Hier spielt vor allem mangelhafte oder fehlende Kommunikation mit den vermeintlich schwierigen Kollegen eine große Rolle. Wichtig wäre:

  • Rollen und Verantwortlichkeiten definieren, um Rollenambiguität zu vermeiden
  • Klare Ziele ab- und gegenseitige Erwartungen aussprechen
  • Beziehungen klären und im Zweifel das Gespräch suchen, um Konflikte aufzulösen

Schwierige Kollegen und ihre Vorzüge

Wie Du in diesem Artikel erfahren hast, bieten vermeintlich schwierige Kollegen einige Vorzüge, für die es sie zu schätzen gilt:

  • Sie sind mit ihrem Verhalten auch Produktivitätstreiber und damit wertvoller Teil des Teams.
  • Sie verhalten sich nicht aus böser Absicht unkollegial, sondern zum Selbstschutz und zur Abgrenzung.
  • Sie weisen auf Defizite in den Arbeitsbedingungen oder in der Teamstruktur hin.

Es ist also sinnvoll, schwierige Kollegen nicht abzuschreiben, sondern mit ihnen in Kontakt zu gehen, immer wieder aktiv an bestehenden Konflikten zu arbeiten und vor allem: zu fragen, zuzuhören, versuchen zu verstehen und gemeinsam neue Lösungen zu finden. Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg!

Und jetzt bist Du dran:

Welche Erfahrungen hast Du mit „schwierigen Kollegen“ gemacht?

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