Projekte abbrechen

„Macht das hier noch Sinn?“ Wenn sich die Dinge anders entwickeln als gedacht, stehen wir mitunter vor der Frage, ob wir Projekte abbrechen sollen. In diesem Beitrag verrate ich dir, wie du herausfindest, wann das Sinn macht.

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Ich erinnere mich noch gut daran, als freiberuflicher Designer mitten in einem Kundenprojekt vor der Frage gestanden zu haben: „Macht das hier noch Sinn?“ Vielleicht kennst du das. Am Anfang sieht alles rosig aus: Wir freuen uns auf die neue Zusammenarbeit, alles läuft hervorragend, es ist kreativer Spielraum da. Aber mit der Zeit verändern sich die Dinge. Vielleicht schränkt der Kunde den Gestaltungsspielraum ein, wechselt die Marschrichtung, arbeitet (gefühlt) gegen statt mit uns oder ist im gemeinsamen Projekt nicht richtig greifbar.

Wenn das mal wieder passierte, hab ich mich früher gefragt, ob ein Projektabbruch Sinn macht. Stehst du gerade an einem ähnlichen Punkt oder warst schon mal da und möchtest solche Situationen zukünftig souveräner lösen? Dann habe ich dir heute drei Fragen mitgebracht, die du als Messinstrument einsetzen kannst, um einzuschätzen, ob es sich lohnt im Projekt zu bleiben – oder ob es besser ist, die Zusammenarbeit zu beenden.

1) „Was stört mich so sehr, dass ich das Projekt abbrechen will?“

Wenn uns etwas stört, schauen wir meistens erstmal zu den anderen. Zum Beispiel zum Kunden und was der alles falsch macht: Er ändert ständig die Richtung, mischt sich zu sehr in die kreative Arbeit ein – oder aber arbeitet gar nicht mit. Das Thema ist nicht so spannend wie erwartet oder die Aufgaben andere als gedacht.

Wenn uns etwas stört, schauen wir meistens zu den anderen und was die falsch machen.

Wenn du dich hier wiederfindest, schau mal genau hin, was davon wirklich stimmt. Du kannst zum Beispiel davon überzeugt sein, dass dein Kunde sich zu viel einmischt. Und gleichzeitig ist dein Kunde davon überzeugt, dass er gar nicht hinterherkommt, wertvollen Input für das gemeinsame Projekt zu liefern. So unterschiedlich kann ein und die selbe Situation von uns bewertet werden.

Dann versuch auch mal, den Blick zu dir zu richten:

  • Was sind deine Erwartungen an das Projekt?
  • Welche Bedürfnisse möchtest du in der Zusammenarbeit verwirklichen?
  • Welche Werte treiben dich und deine Arbeit, die du auch in diesem Projekt umsetzen und respektieren willst?

Sind dir diese Punkte klar und hast du danach gehandelt? Und sind sie deinem Kunden bewusst, soll heißen: hast du sie kommuniziert?

Mit der Frage „Was stört mich so sehr, dass ich das Projekt abbrechen will?“ kommst du wieder zurück in deinen eigenen Handlungsspielraum. Du bist nicht mehr abhängig davon, was jemand anders tut oder sagt, sondern findest heraus, was du gerne anders hättest und setzt genau das um.

2) „Wie will ich mich im Projekt fühlen – und was kann ich dafür tun?“

Vielleicht bist du jetzt überrascht, was die Gefühle hier zu suchen haben. Schließlich geht es doch um Arbeit, um Ratio und Vernunft! ;) Tatsächlich ist es aber so, das wir in unserem Leben und jeglichen Beziehungen mit anderen nicht so sehr aus Vernunft heraus handeln, sondern von unseren Gefühlen angetrieben werden. Es ist unsere Stimmung, die letztlich unsere Handlungen und unsere Kommunikation auslöst: die Art wie wir im Projekt arbeiten und die Art wie wir mit Kunden klarkommen.

Wenn du von einem Projekt enttäuscht oder auf deinen Kunden wütend bist, dann wirst du auch entsprechend handeln. Enttäuschung führt zum Beispiel dazu, dass wir uns zurückzuziehen, weniger kommunizieren, weniger Zeit mit dem Projekt verbringen wollen. Wut führt zum Beispiel dazu, keine Kritik zuzulassen, mit dem Kunden zu kämpfen (auch wenn nur verbal), uns ständig zu verteidigen.

Statt Enttäuschung und Wut gibt es womöglich auch schönere Gefühle, die eine Zusammenarbeit erleichtern. Vielleicht so etwas wie „gefestigt“, „frei“ oder „kraftvoll“ – schau mal, welches Gefühl dir einfällt, das dich unterstützt und bestärkt. Einen ersten Zugang ermöglicht dir die Frage: „Wie will ich mich im Projekt fühlen – und was kann ich dafür tun?“

(Im Video oben erzähle ich noch mehr darüber. Gefühle können wir übrigens aktiv kultivieren. Lass uns doch mal darüber sprechen, wie das geht!)

3) „Was soll mir der Abbruch bringen – und wie kann ich das bekommen, ohne abzubrechen?“

Zunächst zur ersten Teilfrage: Nach dem Projektabbruch ist alles besser – klar. Im Coaching erlebe ich allerdings oft, dass es doch nicht so ganz klar ist. Oders anders gesagt: Es fehlt uns oft an einer konkreten Vorstellung davon, wie es denn „besser“ wäre. Mit meinen Kunden mache ich dazu gerne eine Übung. Sie sollen sich ihren Alltag ohne das Projekt vorstellen – und zwar in allen Details:

  • Wie läuft mein (typischer) Arbeitstag ab?
  • Mit wem habe ich zu tun und wie begegnen wir uns?
  • Was erzähle ich meinem Partner abends auf dem Sofa?
  • usw.

Wenn sie diese konkrete Vorstellung entwickelt haben, frage ich, ob der Projektabbruch denn genau darauf einzahlt. Oft finden wir heraus, dass es keinen kausalen Zusammenhang gibt und der Wunsch eher einer Flucht nach vorne gleicht.

Solltest du diese Übung machen und dich tatsächlich darin bestärkt sehen, eines deiner Projekte abbrechen zu wollen, kommt die zweite Teilfrage ins Spiel: Was kannst du dafür tun, zu erreichen, was du dir vom Projektabbruch erhoffst, ohne das Projekt abzubrechen? Da muss sich das Gehirn ziemlich verknoten, gell? ;)

Oft gleicht der Wunsch nach Projektabbruch einer Flucht nach vorne.

Lass es mich mal auf der Basis unserer Haltung erklären. Meistens ziehen wir die Flucht nach vorne vor, weil es viel einfacher erscheint, sich rauszuziehen als sich einer herausfordernden Situation zu stellen. Wir sind schnell dabei, zu denken:

  • „Das hat eh keinen Zweck.“
  • „Das macht mein Kunde nicht mit.“
  • „Da wird sich sowieso nichts ändern.“
  • „Ich kenn das ja schon.“
  • „Das klappt sowieso nicht.“

Und dann ist die Wahrscheinlichkeit auch hoch, dass wir recht behalten. Aber was wäre, wenn es einen Zweck hätte? Wenn der Kunde mitgehen würde? Wenn es klappen könnte? Stell dir mal vor, du brichst ein Projekt ab und verpasst damit die Chance, genau daran zu lernen und zu wachsen …

Damit das nicht passiert, dafür ist die dritte Frage gedacht: „Was soll mir der Abbruch bringen – und wie kann ich das bekommen, ohne abzubrechen?“

Wie du dich achtsam forderst und förderst

Du merkst es wahrscheinlich schon: Ich lass dich keine Projekte abbrechen, ehe du alles versucht hast. Das bedeutet aber nicht, dass du in Projekten bleibst, die dir nicht gut tun. Hier liegt der Knackpunkt und genau hier helfen dir die drei Fragen. Es geht nämlich darum herauszufinden, wo du stehst und was für dich noch möglich ist bevor du die letzte Möglichkeit (ein frühzeitiges Projektende) in Betracht ziehst.

So viel ist klar: In Projekten, in denen du ständig enttäuscht bist oder dich ärgerst, arbeitest du auch nicht effektiv. Und das nutzt weder deinen Kunden noch deiner Selbstständigkeit.

In Projekten, die dir nicht gut tun, leistest du auch keine gute Arbeit.

Ich find’s aber schon wichtig, eine Zeit lang dranzubleiben und viele Möglichkeiten auszuprobieren, um ein Projekt oder eine Kundenbeziehung zu entwickeln. Beobachte dich gerne selbst, wie schnell du das aufgibst und die Flucht nach vorne antreten willst. Und fordere dich mal heraus (nicht aus selbstauferlegtem Zwang, sondern aus Lust am Experiment), was du noch ausprobieren kannst.

Meiner Meinung nach ist das auch deine Verantwortung als kreativer Experte: ein Projekt oder einen Kunden nicht vorzeitig aufzugeben, weil es schwierig ist, sondern die Ränder deiner Komfortzone auszudehnen (ohne deine eigenen Grenzen zu übertreten).

Projekte abbrechen – So entscheidest du

Ich hoffe, diese drei Fragen helfen dir, wenn du gerade vor der Entscheidung stehst, ob du ein Projekt abbrechen solltest. Hier nochmal im Überblick:

  1. Was stört mich so sehr, dass ich das Projekt abbrechen will?
  2. Wie will ich mich im Projekt fühlen – und was kann ich dafür tun?
  3. Was soll mir der Abbruch bringen – und wie kann ich das bekommen ohne abzubrechen?

Ich bin total gespannt, was du daraus machst! :)

Herzliche Grüße,
Patrik

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