Perfektionismus tötet

Streben nach Qualität ist etwas, das erfahrene Designer und kreative Selbstständige auszeichnet. Das ist aber etwas völlig anderes als Perfektionismus. Denn der tötet

  • die Wirkung deiner Ideen,
  • die Beziehungen mit deinen Kunden sowie
  • dein mentales und emotionales Fundament.

Warum wir Kreative so schnell in die Perfektionsfalle tappen und wie du da raus kommst, um mit deiner Arbeit wirklich was zu erreichen, verrate ich dir heute.

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Hallo und willkommen zurück!

Da stecken wir mitten im Themenmonat zum „großen Wurf“ und haben noch gar nicht über Perfektionismus gesprochen! Höchste Zeit, das nachzuholen. Denn den Anspruch, perfekt zu sein mit der eigenen Arbeit, kenne ich nicht nur selbst ziemlich gut, sondern erlebe ich auch im Coaching mit Kunden immer wieder. Kein Wunder: Wir Kreative gehen auch mit viel Leidenschaft an unsere Arbeit und wollen in der Welt wirklich was bewegen.

Vielleicht kennst du den Drive, wenn ein neues Projekt beginnt: Du bist begeistert, hast viel Energie und will tief in die Materie eintauchen. Manchmal hilft der Perfektionismus dann dabei, sehr gute Ergebnisse zu erzeugen, noch einen Schritt weiter zu gehen als es jemand anders tun würde. Aber viel öfter  bremst er uns aus. Und zwar auf drei Ebenen:

  • die Wirkung deiner Arbeit
  • die Beziehungen mit deinen Kunden
  • dein mentales und emotionales Fundament

Lass uns die einzelnen Ebenen mal Stück für Stück anschauen.

Perfektionismus tötet die Wirkung deiner Arbeit

Wenn wir herumdenken und herumschrauben bis es perfekt ist, geschieht das oft nur im Kopf. Tatsächlich wird nur wenig umgesetzt, d.h. wir geben nichts nach draußen, was jemand sehen, anfassen und ausprobieren könnte. Und wo keine Umsetzung geschieht, kann auch keine Wirkung entstehen.

Mit diesem Perfektionsanspruch haben wir eine nützliche Ausrede zur Hand, um weiter zu tüfteln statt unsere Arbeit zu präsentieren und damit einem Realititätscheck zu unterziehen. Wir sitzen viel lieber im stillen Kämmerlein und denken weiter daran rum, theoretisieren und zerdenken die Dinge am Ende.

Wo keine Umsetzung geschieht, kann auch keine Wirkung entstehen.

Oftmals kommt dabei etwas heraus, das vielleicht intellektuell, theoretisch, klug, wissenschaftlich aufbereitet ist – aber nicht mehr praktikabel. Und das gilt auch, wenn du in einer kreativen Disziplin arbeitest, die sich Praktikabilität auf die Fahne geschrieben hat wie beispielsweise User Experience Design oder Design Thinking, wo man viel vom Kunden oder Nutzer aus denkt.

Ich habe früher in solchen Disziplinen gearbeitet und oft erlebt, dass wir zwar den Kunden im Fokus hatten, ihn aber nicht wirklich am Gestaltungsprozess beteiligt haben. Stattdessen sind wir einfach davon ausgegangen, ihn perfekt zu verstehen. Oder wir haben ihn beteiligt, am Ende aber Rückmeldungen ausgewählt und eigene Rückschlüsse gezogen.

Perfektionismus tötet deine beruflichen Beziehungen

Auch wenn du deine Kunden nicht so eng in gestalterische Prozesse einbeziehst, kennst du vielleicht folgendes Szenario: Du sitzt in deinem stillen Kämmerlein, hast wenig Kontakt mit dem Auftraggeber, glaubst aber, sein Geschäft so gut zu verstehen, dass du dafür optimal texten, gestalten oder konzipieren kannst.

Ich habe über die Jahre viele Kreative erlebt, die davon überzeugt waren, das Geschäft ihrer Kunden besser zu verstehen als die selbst … 

Verstehst du das Geschäft deiner Kunden so gut, dass du dafür optimal texten, gestalten oder konzipieren kannst?

Klar ist es so, dass du als Kreativer, der von außen auf die Prozesse und Strukturen beim Kunden schaut, Dinge erkennst, die er nicht mehr sieht, weil er selbst Teil seiner Welt ist. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Auftraggeber immer noch die Experten in ihrer Branche sind und dort ein Verständnis und Wissen mitbringen, das wir in der kurzen Projektzeit nicht mal im Ansatz aufbringen können.

Für mich selbst habe ich das erst durch die Umorientierung vom Design ins Coaching gelernt: Ich muss meinen Kunden nicht „auf den richtigen Weg einspuren“, sondern ich helfe ihm als Katalysator dabei, sein Potenzial zu nutzen und seine Ziele zu erreichen. Mein Kunde bringt all das Wissen und die Weisheit mit, die es für unserem gemeinsamen Prozess braucht. Ein Gedanke, den wir nicht nur im Coaching gebrauchen können, sondern auch für die kreative Zusammenarbeit.

Wenn du dich dabei ertappst, Dinge besser zu wissen als dein Kunde, schau mal hin:

  • Steckst du in einem Kampfmodus und verteidigst deine Position mit allen Mitteln?
  • Oder kannst du deinem Kunden noch aktiv zuhören und bist auch grundsätzlich bereit, von deiner Position ablassen?

Perfektionismus tötet dein mentales und emotionales Fundament

Schließlich hat der ganze Perfektionswahn Auswirkungen auf dein Fundament – mental und emotional – und beeinflusst nicht nur deine Arbeit, sondern vor allem dich als Person. Das ist ja der Kern meiner Coachings, dort helfe ich Kreativen,

  • ihre Talente und Fähigkeiten zu entfalten,
  • ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen und
  • die Wünsche und Ziele für ihre Selbstständigkeit zu erreichen.

Unser persönliches Fundament kann durch den Perfektionismus auf verschiedene Art und Weise angegriffen werden.

Zum einen nagt der Perfektionismus an unserem Fundament, weil durch ihn vieles nur im Kopf entsteht. Das sorgt aber nicht nur dafür, dass Ergebnisse unpraktikabel sind, sondern steigert auch die Komplexität (im Kopf), weil es an einem Ventil fehlt, über das wir Gedanken auch mal ablassen und fundieren können. Das kann zu einer handfesten Überforderung führen. Als ich beispielsweise vor einem Jahr ein großes Trainingsprojekt an den Start bringen wollte, habe ich mich darin verloren und aufgrund der fehlenden Praktibilität bei steigender Komplexität schließlich kapituliert.

Perfektionismus erhöht die Komplexität und führt in die Überforderung.

Zum anderen kommen wir durch ständiges Streben nach Perfektion ins Schleudern, wenn wir mit Kunden um unsere Konzepte kämpfen – wahnsinnig anstrengend! Soziale Beziehungen, die wir nicht nur im Privatleben haben, sondern auch mit unseren Kunden, sind sehr wichtig für uns Menschen. Und diese Beziehungen können Energie bringen oder Energie kosten. Wenn du immer an deiner Position festhältst und sie gegen den Widerstand eines Kunden verteidigst, fordert das unglaublich viel Energie von dir.

Vielleicht entgegnest du jetzt, dass es doch wichtig sei, für die eigene Position und einen gewissen Qualitätsanspruch einzustehen. Absolut – nur ist Perfektionismus alles andere als Streben nach Qualität oder authentisches Handeln. Denn der kommt meistens von außen. Es handelt sich um einen überhöhten Anspruch, den wir an uns selbst oder an unsere Arbeit stellen, der aber nicht ursprünglich von uns kommt, sondern sich über viele Jahre entwickelt hat: aus unserer Erziehung heraus oder aus dem, was wir glauben, welche Anforderungen die Welt, die Branche, die Kunden an uns stellt.

Perfektionismus – Wo er fordert, wo er fördert …

Das ist eine Kopfgeburt – und eine Überzeugung, die wir ruhig mal ein Stück loslassen können. Zumindest für ein Experiment, um einmal auszuprobieren, wie es denn ohne den Perfektionismus läuft. Genau dazu möchte ich dich einladen.

Schau dir dazu die drei Ebenen nochmal an, die ich dir heute vorgestellt habe, und notiere dir: Wo nützt dir dein Perfektionismus? Wo bremst dich aus? Und wenn du Lust hast, dann teil deine Erfahrungen gerne mit mir.

Herzliche Grüße,
Patrik

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