Nachtschichten

Als freier Designer waren mir Nachtschichten früher ein besonderer Graus – ich bin nämlich keine Nachteule, sondern eher der frühe Vogel. :D Aber egal, ob du spät besonders kreativ bist oder früh schon Projekte und Kunden rockst, Nachtschichten sind einfach zermürbend: Sie zerstören die private Abendplanung und nehmen uns die Energie für den nächsten Tag.

In diesem Beitrag erfährst du:

  • Wieso du immer wieder in Nachtschichten landest
  • Warum sie dir und deiner Selbstständigkeit schaden
  • Wie du da rauskommst und Nachtschichten vermeidest
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Diese lästigen Nachtschichten … Zumindest waren sie für mich in meiner Zeit als freiberuflicher Designer ziemlich lästig, weil ich überhaupt keine Nachteule bin. Es gibt ja Leute, die von sich sagen, dass sie abends/nachts besonders produktiv arbeiten. Das geht mir gar nicht so! Ich bin ein Morgenmensch: früh schon total kreativ und in meiner Kraft. Ab nachmittags wird’s für mich schwieriger.

Heute erlebe ich Ähnliches bei meinen Coachees: sie erzählen mir davon, wie zermürbend Nachtschichten für sie sind: dass sie ihnen Energie und Kreativität rauben, dass sie das Wochenende kaputt machen und sich negativ auf das Privatleben auswirken.

Gerade, wenn du seit mehreren Jahren selbstständig bist, hast du dir wahrscheinlich Zeiten freigeschaufelt, die du mit deiner Familie verbringst oder deine Interessen verfolgst. Und es ist echt lästig, wenn der Freitagabend immer länger wird und diese Pläne durchkreuzt.

Wieso du immer wieder in Nachtschichten landest

In der Recherche für diesen Beitrag sind mir drei Dinge im Alltag selbstständiger Kreativer eingefallen, die mit Sicherheit Nachtschichten auslösen. Vielleicht findest du dich bei einem davon wieder:

1) Weil du den Plan nicht einhältst oder nicht anpasst

Klar: Es kommt dann zu Nachtschichten, wenn du gar keinen Zeitplan für deine Projekte hast. Schließlich ist dann total schwammig, für wann was fertig sein muss. Im Stress des Alltags verkalkuliert man sich schnell und gleicht das mit einer ungeplanten Nachtschicht aus.

Wenn du mir folgst, bist du wohl eher ein geplanter Mensch und hast wahrscheinlich einen Projektzeitplan. Doch auch bei dir kann es Nachtschichten kommen – und zwar dann, wenn du deinen Zeitplan nicht einhältst. Einmal den Meilenstein verpasst, geraten mit dem Rest auch schnell in Verzug – und entsteht Druck, noch schneller zu arbeiten und noch härter ranzuklotzen. Wenn du auch noch dein Wochenende freihalten willst, ist die Nachtschicht vorprogrammiert.

Einmal den Meilenstein verpasst, geraten mit dem Rest auch schnell in Verzug – und entsteht Druck, noch härter ranzuklotzen.

Es kann aber auch passieren, dass ein Zeitplan nicht aufgeht, weil sich die Bedingungen ändern: Dein Kunde entscheidet sich um, möchte die Marschrichtung wechseln, einen neuen Entwurf sehen … Oder das Leben passiert: ein Kind wird krank, du fällst mehrere Tage aus, … Wenn so etwas passiert, macht es keinen Sinn mehr, die ursprüngliche Planung aufrechtzuerhalten und sich aufzureiben, nur um sie einzuhalten.

2) Weil du ohne Struktur und Grenzen arbeitest

In meinem Studium war es so: Wenn ich sonntags in die Uni wollte, um ein Projekt fertigzustellen, dann stand ich vor verschlossenen Türen. Aus einem früheren Anstellungsverhältnis weißt du vielleicht noch, wie das ist, wenn wir uns an Kernarbeitszeiten halten oder zum Austausch mit Kollegen in einem bestimmten Zeitfenster vor Ort sein müssen.

Wir sind heute in der Lage, ständig und von überall zu arbeiten. Ohne selbst gesetzte Grenzen sind Nachtschichten vorprogrammiert.

Solche Dinge begegnen uns heute in der Selbstständigkeit nicht mehr. Wir sind in der Lage, ständig (und auch noch von überall) zu arbeiten. Wenn du da keine Arbeitszeiten für dich definierst, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Arbeitstag ausufert oder auch mal ein Wochenende dran glauben muss. Die perfekte Gelegenheit für unsere ungeliebten Nachtschichten, sich breit zu machen. ;)

3) Weil du glaubst, Nachtschichten würden dazugehören

Der wichtigste Auslöser für Nachtschichten ist in meinen Augen aber, welche Überzeugung du hast, welche Gedanken du über Nachtschichten aus deiner Vergangenheit oder aus deinem Umfeld mitbringst.

Viele meiner Coachees glauben:

  • Nachtschichten gehören einfach dazu.
  • Nachtschichten sind in der Branche gang und gäbe.
  • Meine Kollegen machen das ja auch so.
  • Das war schon meine Erfahrung in der Ausbildung / im Studium.
  • Kreativ sein heißt einfach, auch nachts arbeiten.

Oder, der Klassiker: „Die Kunden fordern das ja implizit von mir, wenn sie erst spät freitags Input geben, aber bereits am Montagmorgen das Ergebnis erwarten.“ Das ist aber nur wahr, wenn du daran glaubst und danach lebst. Es handelt sich um deine Gedanken, Überzeugungen, Glaubenssätze zu Nachtschichten. Und diese Überzeugungen führen dann – im Sinne einer selbst erfüllenden Prophezeiung – dazu, dass es für dich immer wieder zu Nachtschichten kommt.

Warum Nachtschichten dir und deiner Selbstständigkeit schaden

Tatsächlich ist es gar nicht schlimm, mal die Nacht durchzuarbeiten. Die negativen Folgen werden erst dann spürbar, wenn es regelmäßig dazu kommt. Und da lohnt es sich, mal hinzuschauen, warum regelmäßige Nachtschichten letztlich deiner Selbstständigkeit schaden.

1) Du machst viel, aber erreichst letztlich wenig

Wir erleben uns in einer Nachtschicht meistens als produktiv, zielgerichtet und fokussiert. Es ist ja auch cool, wenn das Telefon nicht mehr klingelt, mal keine Mails reinkommen und man konzentriert arbeiten kann.

Dazu kommt: Wenn ich weiß, dass ich bis 23 Uhr einen Entwurf fertigstellen muss, weil das die letzte Gelegenheit ist, ihn zum Drucker zu schicken, dann werden noch ungenutzte Kraftreserven frei und ich hab den Eindruck, ich wäre unter Druck besonders produktiv.

Tatsächlich sind wir das aber nicht! Wir tun und machen viel, fühlen uns „busy“. Aber wir sind nicht so effektiv, wie wir sein könnten. Stell dir mal vor, der Druck wäre nicht da – wie viel Raum das schaffen würde, in dem du intensiv nach der besten Idee für deinen Kunden suchen und eine wirklich kreative Lösung entwickeln könntest!

2) Es fehlt dir an Energie für kreatives Schaffen

Du bist keine Arbeitsmaschine, sondern du bist ein Mensch – mit allem was dazu gehört: Geist, Seele und Körper. Letztlich bist du auch Biochemie und dazu gehört dein Biorhythmus (der innere Takt deines Körpers). Wenn du in der Regel gegen 19 Uhr den Arbeitstag abschließt, aber diese Woche Freitag bis 2 Uhr nachts ranklotzt, um ein Projekt fertigzustellen, gerät der gewohnte Takt aus dem Gleichgewicht – dein Körper muss zusätzliche Energiereserven freimachen, die er für die nächsten Tage eingeplant hatte.

… letztlich fehlt dir die Energie für deine (anderen) Kunden, für neue Projekte und für die Weiterentwicklung deiner Kreativität.

Am nächsten Tag fehlt diese Energie dann. Vielleicht schläfst du länger und dadurch fehlt dir auch noch Zeit, die du eigentlich mit Familie, Freunden oder deinen Interessen verbracht hättest. Du verpasst die Gelegenheit, deine Energiereserven wieder aufzutanken.

Letztlich fehlt die Energie auch für andere Kunden, für neue Projekte und vor allem für’s Kreativsein und deine eigene Weiterentwicklung. Einfache Aufgaben abzuarbeiten, gelingt dir dann noch; aber um wirklich tolle Dinge in die Welt bringen, ist der Energielevel zu niedrig.

Wie du zukünftig Nachtschichten vermeidest

Nachdem wir jetzt ausführlich hingeschaut haben, wieso es immer wieder dazu kommt, dass du Nachtschichten erlebst, und warum das eigentlich ein Thema ist, mit dem du dich beschäftigen solltest, möchte ich dir abschließend ein paar Tipps mit auf den Weg geben, wie du Nachtschichten vermeiden kannst. Lass uns dazu auf die drei Punkte vom Anfang zurückkommen.

1) Projektzeitplan erstellen, anpassen, kommunizieren

In meiner Erfahrung hilft ein mittel- oder langfristiger Zeitplan dabei, Nachtschichten zu vermeiden. Natürlich ist dieser Plan nicht in Stein gemeißelt, aber er gibt dir eine Idee davon, wie lange etwas überhaupt dauert und bis wann einzelne Meilensteine fertig sein sollten. Mit seiner Hilfe kannst du deine Fortschritte besser beobachten und auch sehen, wenn etwas aus dem Ruder gerät.

Mir geht’s so: Wenn ich einen Zeitplan habe, will ich den grundsätzlich einhalten. Das ist ja auch, was Kunden von uns fordern: Sie wollen ein bestimmtes Ergebnis zu einem definierten Termin sehen. Ich habe gelernt, mit einem Zeitplan nicht zu rigide umzugehen, sondern ihn dann anzupassen, wenn sich Bedingungen ändern – und dies souverän gegenüber einem Kunden zu kommunizieren. Zum Beispiel so: „Wenn wir noch einen anderen Entwurf versuchen wollen, dann wirkt sich das so auf unseren ursprünglichen Zeitplan aus: …“

Ich habe gelernt, mit einem Zeitplan nicht zu rigide umzugehen, sondern ihn dann anzupassen, wenn sich Bedingungen ändern.

Ich finde, es gehört zu deiner Expertise als selbstständiger Kreativer und zu deiner Führungsqualität in der Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber, keine falschen Versprechungen zu machen (und dann selbst unter Druck zu geraten, um diese Versprechungen einzuhalten). Stattdessen solltest du selbstbewusst deinen Zeitplan anpassen und kannst dies ruhig souverän mit deinem Auftraggeber besprechen. Die offene Kommunikation wird dir immens dabei helfen, Nachtschichten zu vermeiden.

2) Arbeitszeiten definieren, austesten, anpassen

Als ich in die Selbstständigkeit eingestiegen bin, gab es für mich kaum Struktur. Mir war auch nicht klar, dass ich mir eine ausdenken muss. Ich hatte keine definierten Arbeitszeiten, habe keine freien Tage festgelegt. Am Ende habe ich sieben Tage die Woche gearbeitet, mich abends nach dem Essen erneut an den Computer gesetzt und bis vorm Schlafengehen gearbeitet. Darunter hat nicht nur mein Privatleben gelitten, sondern auch meine Stimmung und produktive Energie.

Mehr Zeit bedeutet nämlich nicht gleich mehr Produktivität. Oft ist das Gegenteil der Fall!

Im Coaching mit kreativen Freiberuflern sehe ich heute, dass es nicht immer gut ist, viel Zeit zu haben und jede freie Minute für das eigene Business zu nutzen. Mehr Zeit bedeutet nämlich nicht gleich mehr Produktivität. Oft ist das Gegenteil der Fall: Wenn du ganz klare Richtlinien gesetzt hast – klare Grenzen, wann ein Arbeitstag beginnt, wann er endet und wann du frei nimmst –, dann wirst du in deiner Arbeitszeit strukturierter und effektiver arbeiten. Also überleg dir das mal:

  • Wann willst du eigentlich arbeiten? Wann willst du frei haben?
  • Wann beginnt ein Arbeitstag und wann endet er?
  • Willst du Nachtschichten zulassen? Und wie oft sind die okay für dich?

Wenn du darauf Antworten für dich gefunden hast, geht es darum, deine Arbeitszeiten eine Zeit lang zu respektieren, um sie austesten zu können. Halte dich zum Beispiel einen Monat lang daran und schau dir dann an, wie das funktioniert hat: Wo bist du an Grenzen gestoßen? Wie möchtest du dein Arbeitszeitmodell anpassen?

Hier noch ein Zusatztipp: Am besten kommunizierst du diese Arbeitszeiten (und damit verbunden deine Erreichbarkeit) ganz offen gegenüber deinen Kunden. Denn dann wissen sie genau, wann sie dich ansprechen und bis wann sie eine Antwort erwarten können.

3) Überzeugungen aufdecken, überprüfen, ändern 

Unsere Überzeugungen sind nichts anderes als Gedanken, in deren Denken wir so geübt sind, dass sie unbewusst ablaufen. Trotzdem steuern sie unser Handeln. Als Coach lege ich dir daher dringend ans Herz, deine Überzeugungen zu Nachtschichten mal aufzudecken.

Gehören Nachtschichten für dich zur kreativen Arbeit dazu? Dann wird dein Gehirn jede Gelegenheit nutzen, Beweise für diese Überzeugung zu erbringen – und jede gegenteilige Erfahrung ausfiltern. Am Ende machst du dadurch deine eigene Überzeugung wahr. :o

Ein erster Schritt, diesen Automatismus aufzubrechen, ist es herauszufinden, was du selbst über Nachtschichten denkst. Und dann ganz kritisch zu prüfen, ob das eine Überzeugung ist, hinter der du wirklich stehst und die dir in deiner Selbstständigkeit nutzt. Im nächsten Schritt kannst du kreativ werden und dir überlegen, welche Überzeugung dir mehr bringen würde – gerne helfe ich dir dabei, diesen neuen Gedanken für dich zu einer Überzeugung zu machen.

Wie geht’s dir mit den Nachtschichten?

Jetzt weißt du also, wo du ansetzen kannst, um deinen Umgang mit Nachtschichten besser zu verstehen und lange Nächte zukünftig zu vermeiden. Ich freu mich wahnsinnig, von dir zu hören, wie es dir mit deinen Nachtschichten geht:

  • Wie oft du erlebst du Nachtschichten?
  • Was findest du daran schwierig, was gefällt dir vielleicht auch?
  • Kannst du dir vorstellen, nie wieder Nachtschichten zu machen?

Schreib mir gerne eine Nachricht oder komm in ein kostenfreies Strategiegespräch, wenn du dich darüber austauschen möchtest. Ich wünsche dir einen guten Arbeitstag und ein klares Ende vor Mitternacht.

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