Erwartungen sichtbar machen

Was erwartest Du eigentlich von Deinem Job? Von den Menschen, mit denen Du arbeitest? Und die von Dir? Im Berufsleben werden wir von unzähligen Erwartungen bestimmt, die uns hoffen, bangen oder fürchten lassen. In diesem Artikel zeige ich Dir, wo sich Erwartungen im Job verstecken und warum es so wichtig ist, sie offenzulegen.

Erwartungen sichtbar machen

Explizite Erwartungen im Arbeitsvertrag

Nachdem Du Bewerbung und Vorstellungsgespräch erfolgreich hinter Dich gebracht hast, wirst Du gleich schon wieder mit Erwartungen konfrontiert. Und zwar im Arbeitsvertrag. Der Arbeitsvertrag regelt alle Rechte und Pflichten des Arbeitsverhältnisses und definiert, was der Arbeitgeber von Dir erwartet, zum Beispiel:

  • Arbeitsleistung: Was ist meine Aufgabe im Unternehmen?
  • Krankheit: Wie muss ich mich im Krankheitsfall verhalten?
  • Geheimhaltung: Was darf ich nicht mit Externen teilen?

Außerdem definiert der Arbeitsvertrag, was Du von Deinem Arbeitgeber erwarten kannst, zum Beispiel:

  • Vergütung: Wann, wie und in welcher Höhe werde ich entlohnt?
  • Urlaub: Wie viele Tage Erholungsurlaub stehen mir zu?
  • Kündigung: Wer darf wann das Arbeitsverhältnis aufkündigen?

So ein Arbeitsvertrag ist in zwei Punkten ziemlich großartig: In seiner schriftlichen Form macht er gegenseitige Erwartungen transparent und bindend. Du kannst jederzeit reinschauen, zum Beispiel, um Dich über die Dauer Deines Urlaubs oder die Frist für eine Kündigung zu informieren. Und Du kannst Deinen Arbeitgeber darauf hinweisen, wenn er seinen Pflichten – beispielsweise der Vergütung – nicht nachkommt.

Explizite Erwartungen in der Realität

Hier liegt aber auch ein entscheidender Nachteil des Arbeitsvertrags: er ist – zumindest ist der Praxis – wenig flexibel. Das heißt: alle hier getroffenen Vereinbarungen bestehen für die gesamte Dauer des Arbeitsverhältnisses, es sei denn es wird eine Änderungs- oder Ergänzungsvereinbarung getroffen.

Arbeitgeber formulieren Arbeitsaufgaben möglichst vage, um nicht daran gebunden zu sein.

Vor allem wenn es um die Definition Ihrer „Arbeitsleistung“ geht (Aufgaben und Verantwortlichkeiten), passiert eine solche Änderung oder Ergänzung in der Praxis eher selten. Arbeitgeber und Personalverantwortliche formulieren die Arbeitsleistung daher möglichst vage, um nicht daran gebunden zu sein. Schließlich könnten es unerwartete Umstände (Auftragshoch, Mitarbeiterausfall) erforderlich machen, dass Verantwortlichkeiten spontan umverteilt werden müssen.

Über die Nennung einer Berufsbezeichnung oder eines groben Arbeitsbereichs geht die Definition der Arbeitsleistung deshalb meist nicht hinaus. Es geht aber auch anders: So kenne ich aus meiner Arbeit Verträge, in denen einzelne Verantwortlichkeiten ausdetailliert oder gar Ziele genannt werden. Ob das immer zum Vorteil der ArbeitnehmerInnen ist, ist eine andere Frage …

Implizite Erwartungen im Arbeitsalltag

Darüber hinaus gibt es im Berufsalltag wahnsinnig viele Erwartungen, die gar nicht Teil des Arbeitsvertrags sind, sondern sich auf einer informellen Ebene bewegen. Auf der Seite des Arbeitgebers können das beispielsweise sein:

  • Fachfremde Arbeit: Erwartung, dass MitarbeiterInnen auch Arbeit übernehmen, die nicht hundertprozentig in ihren Arbeitsbereich passt. Gerade in kleineren Unternehmen müssen Aufgaben wie Archivierung, Materialbeschaffung, Akquise oder Personalsuche oft nebenbei „miterledigt“ werden.
  • Wissen und Kompetenz: Erwartung, dass MitarbeiterInnen fachlich kompetent handeln und auf einem aktuellen Wissensstand bleiben. Das wird oft stillschweigend vorausgesetzt, wobei dies durchaus von Arbeitgeberseite gefördert werden kann bzw. sollte.
  • Vision = Mission: Erwartung, dass MitarbeiterInnen die Unternehmensziele mittragen und von den Produkten/Dienstleistungen überzeugt sind. So wird in wachsenden Start-ups gerne vergessen, dass neue MitarbeiterInnen nicht unbedingt die gleiche Begeisterung mitbringen wie das Gründungsteam.

Erwartungen auf Deiner Seite als ArbeitnehmerIn können sein:

  • Wertschätzung: Erwartung, dass man Dich als ArbeitnehmerIn sieht und dass Deine Bemühungen anerkannt werden. Das ist die wohl häufigste Erwartung, die wohl am seltensten offen thematisiert wird.
  • Entwicklung: Erwartung, dass Du Dich im Unternehmen entwickeln, mehr Verantwortung übernehmen, auf der Karriereleiter nach oben steigen kannst.
  • Soziales Umfeld: Erwartung, dass KollegInnen sich Respekt entgegenbringen, höflich und freundlich miteinander umgehen. Das ist im Berufsalltag nicht immer der Fall.

Analog zu den expliziten Erwartungen, die Teil des Arbeitsvertrags sind, spricht man bei impliziten Erwartungen von einem „psychologischen Vertrag“, der zwischen den Beteiligten geschlossen wird. Im Gegensatz zum Arbeitsvertrag mit seinen transparent und bindend definierten Rechten und Pflichten sind implizite Erwartungen jedoch intransparent und dynamisch! Sie werden nirgendwo niedergeschrieben und meist auch nicht ausgesprochen. Und sie können sich jederzeit verändern.

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Enttäuschung impliziter Erwartungen vermeiden

Wurde Dir die erwartete Beförderung mehrmals vorenthalten, engagierst Du Dich vielleicht nicht mehr so stark. („Das bringt mir ja eh nichts.“) Werden Deine Vorschläge von KollegInnen häufig abgelehnt, machst Du vielleicht zukünftig keine mehr. („Die sind doch nie zufrieden.“) Werden implizite Erwartungen enttäuscht, hat das Auswirkungen.

Nicht nur Deine Motivation, sondern auch die Leistungsfähigkeit des ganzen Teams leidet. Daher macht es Sinn, einmal darüber nachzudenken, wie Erwartungen sichtbar gemacht werden können. Hierzu möchte ich Dir drei Vorschläge mit auf den Weg geben:

Vereinbarungen treffen und festhalten

Nur was gesagt und zur Diskussion gestellt wird, kann auch miteinander verhandelt und vereinbart werden. Wichtig ist auch, getroffene Vereinbarungen über gegenseitige Erwartungen schriftlich festzuhalten, sodass beide Parteien jederzeit darauf zurückgreifen können.

Vereinbarungen gegenseitiger Erwartungen sollten immer wieder miteinander getroffen und besprochen werden.

Solche Vereinbarungen gegenseitiger Erwartungen sollten nicht nur am Beginn eines Jobs, sondern immer wieder miteinander getroffen und besprochen werden. Das kann als Teil regelmäßiger Feedbacksessions geschehen oder jedes Mal, wenn ein neues Projekt beginnt.

Unklarheiten erkennen und adressieren

„Eigentlich hatte ich aufgrund meiner Leistungen im Vorjahr erwartet, befördert zu werden.“ Eine nicht erfüllte Erwartung kannst Du thematisieren. Frag nach, warum sich die Erwartung nicht erfüllt hat und wo es eventuell Missverständnisse gab. Du könntest überrascht werden!

Frag nach, warum sich eine Erwartung nicht erfüllt hat. Du könntest überrascht werden!

Vielleicht erfährst Du, dass eine Beförderung erst nach längerer Zeit oder bei höherer fachlicher Qualifikation möglich ist. Dann weißt Du, dass es nicht an Deiner Arbeitsleistung oder an (fehlenden) Sympathien lag, dass es nicht geklappt hat.

Fair sein und flexibel bleiben

Bleib fair! Denn für nicht erfüllte Erwartungen gibt es oft Gründe, die außerhalb unserer Einflusssphäre und mitunter auch außerhalb der Einflusssphäre des Arbeitgebers liegen. Ist Euer Unternehmen gerade von Mehrbelastung oder Budgetkürzungen betroffen, können Erwartungen, die Ihr vor ein paar Monaten miteinander vereinbart habt, vielleicht nicht mehr eingehalten werden.

Für nicht erfüllte Erwartungen gibt es oft Gründe, die außerhalb der Einflusssphäre der Beteiligten liegen.

Vereinbarungen über gegenseitige Erwartungen sind eben flexibel – auf beiden Seiten – und erfordern eine ebensolche Flexibilität im Denken und Handeln von Ihnen. Wichtig erscheint mir, immer wieder den Dialog zu suchen und von gegenseitiger Schuldzuweisung wegzukommen.

Erwartungen sichtbar machen

Was erwartest Du eigentlich von Deinem Job? Mach Dir einmal klar, welche Erwartungen Du mitbringst, welche Erwartungen andere an Dich stellen und welche dieser Erwartungen allen Beteiligten bewusst sind, weil sie offen thematisiert wurden.

In diesem Artikel hast Du erfahren,

  • dass Dein Arbeitsvertrag ein tolles Dokument ist, in dem explizite Erwartungen zwischen Deinem Arbeitgeber und Dir – transparent und bindend – festgehalten sind. Und, dass er noch toller wäre, wenn er regelmäßig ergänzt oder geändert würde. ;)
  • dass Dein Berufsalltag voller impliziter Erwartungen steckt, die oft nicht zur Aussprache kommen und sich ständig verändern.
  • was Du tun kannst, um die Enttäuschung impliziter Erwartungen zu vermeiden:
    • Vereinbarungen treffen und festhalten
    • Unklarheiten erkennen und adressieren
    • Fair sein und flexibel bleiben

Und jetzt interessiert mir, wie Du mit Deinen Erwartungen umgehst:

Wie kannst Du Missstände ansprechen und etwaige Missverständnisse aufklären?

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