Andere Meinung – und nun?

Was tun, wenn der Kunde einen Weg gehen will, von dem du ihm abgeraten hast?

In dieser Bredouille steckte eine Gestalterin, die sich vor kurzem per E-Mail bei mir meldete. Sie hatte ihrem Auftraggeber ausführlich erklärt, warum sein Weg keinen Sinn machte, und ihm gangbare Alternativen aufgezeigt. Trotzdem hielt der Kunde an seinem Vorstoß fest und verlangte, dass sie ihn umsetzte.

Vielleicht kennst du ähnliche Situationen aus deinem Berufsalltag:

  • Der Kunde bittet dich, den genialen Einfall seines Schwagers glattzuziehen.
  • Er akzeptiert deinen Vorschlag, man müsste „nur dieses und jenes“ ändern.
  • Das Ergebnis soll möglichst genau so aussehen wie bei Mitbewerber XY.

Als kreativer Experte versuchst du womöglich, deinem Kunden davon abzuraten. Wenn der aber unbelehrbar bleibt – was dann?

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Achtung vor der Dienstleisterfalle

Die Verfasserin der E-Mail sah für sich zwei Möglichkeiten: Entweder sie diskutiert endlos mit einem Kunden, der sie einfach nicht versteht, weil er kein gestalterisches Fachwissen mitbringt. Oder sie setzt um, was er von ihr verlangt – schließlich hatte sie ihn ja vor den Folgen seiner Entscheidung gewarnt.

In beiden Fällen ist die Zusammenarbeit von Ärger und Frust geprägt. Das Projekt macht ihr keinen Spaß mehr, weil es an der Überzeugung mangelt, etwas Sinnvolles zu gestalten. Mit wenig Elan entsteht so ein Ergebnis, für das sie gar nicht mit ihrem Namen stehen will.

Selbstverständlich ist für unsere Gestalterin jedoch, dass umgesetzt werden muss, was der Kunde verlangt. Schließlich sind wir als Gestalter auch Dienstleister – und wer bezahlt, bestimmt, oder?

Alternative selbstbewusstes Handeln

Wenn Kreative schon tief in der Auseinandersetzung mit einem Kunden stecken, scheint es oft gar keine Alternativen mehr zu geben. Im Coaching entwickeln wir dann erstmal wieder Bewusstheit über die Situation und leiten damit eine (Neu-)Entscheidung ein.

Diese Entscheidung kann so aussehen, dass Kreative die Zusammenarbeit abbrechen, weil sie mit dem Auftraggeber nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Mit so einem mutigen Schritt würden wir unseren Kunden wohl oft den größten Dienst erweisen; nur Dinge umzusetzen, die wir als Experten für vertretbar halten. Genau hiervor haben viele Kreative aber Angst. Sie wollen den Kunden nicht verlieren, befürchten negative Referenzen oder sorgen sich um ihre (auch finanzielle) Existenz.

Alternativ kann die Entscheidung auch so aussehen, dass Kreative einen guten Grund dafür finden, ihre Arbeit am Projekt trotz abweichender Expertenmeinung weiterzuführen. Wenn du dich mal in die Lage der Gestalterin versetzt, was könnten für dich – trotz abweichender Meinung – gute Gründe sein? Vielleicht ziehst du deine Projekte gerne bis zum Ende durch, auch wenn es nicht so smooth läuft. Vielleicht willst du einfach die volle Bezahlung erhalten, die du am Anfang kalkuliert hast.

Bewusst entscheiden statt unbewusst leiden

Am Ende entscheidest du selbst, was für dich ein legitimer Grund ist, ein Projekt abzubrechen oder etwas umzusetzen, auch wenn du anderer Meinung bist – und triffst eine bewusste Entscheidung darüber.

Das ist auch der große Unterschied zu der Haltung, in der die Verfasserin der E-Mail unterwegs war: Sie fühlte sich gezwungen, ein Ergebnis umzusetzen, dass sie gestalterisch nicht vertrat, und ärgerte sich gleichzeitig darüber, dass sie es tat.

Ich möchte dich mit diesem Text dazu ermutigen, die vermeintlichen Zwänge der Servicementalität als kreativer Dienstleister zu hinterfragen und wenn du in einer ähnlichen Lage steckst, eine bewusste Entscheidung zu treffen – auch mit der Bereitschaft, die Konsequenzen deines Handelns zu tragen.

Wenn du dabei Unterstützung brauchst, lass uns sprechen!

Herzliche Grüße,
Patrik

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